Wickelkreutztrage

Warum ich Trageberaterin geworden bin

Ha, wie seltsam. Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, keine Beiträge mit dem Titel “Warum ich dies und das (nicht) mache” zu schreiben und nun beginnt mein 2. Betrag genau so. Nun, hier geht es aber weniger darum, meine eigenen “Erziehungsmethoden” hervorzuheben (und damit gleichzeitig die der anderen zu kritisieren), sondern viel mehr ist es eine Liebeserklärung an einen ganz wunderbaren neuen Job!

 

WARUM ENTSCHIED ICH MICH, DIE AUSBILDUNG ZUR TRAGEBERATERIN ZU MACHEN?

Wenn man meinen Göttergatten fragen würde, warum ich mich für die Ausbildung zur Trageberaterin bei der Trageschule Hamburg entschieden habe, würde er sagen: “Weil du ein Alibi für deine Tragetuch-Sucht brauchst.” 😀
Und angesichts des doch mittlerweile recht stattlichen Sortiments an Tragehilfen, könnte er mit dieser frech-überspitzten Behauptung den Eindruck erwecken, er hätte Recht. Ok, ich habe alle meine Tragehilfen selbst mit dem Krötchen getestet und mit dem Prädikat “bequem und empfehlenswert” versehen, aber letztlich geht es mir ja auch darum, für jedes Tragepaar (bestehend aus einem Erwachsenen und einem Baby/Kind) die passende Tragemöglichkeit zu finden. Und was Tücher angeht: gewebte Tücher gibt es von so vielen Herstellern, aus vielen verschiedenen Materialien und  zu unterschiedlichen Preisen. Es wäre völlig utopisch zu sagen “ich hab sie Alle gehabt”. Ich selbst hab ein Faible für schlichte Tücher, Retromuster und Pflanzenfasern, aber da tickt ja jede/r anders. Fakt ist, in (so ziemlich) jedem diagonal-elastisch gewebten Tragetuch lässt sich ein Baby tragen. Nur das WIE ist die Frage, die TrageberaterInnen (es gibt tatsächlich wenige Männer in diesem frauendominanten Berufsfeld) dann letztlich mit ihren Kunden zufriedenstellend beantworten, bzw. erarbeiten.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Behauptung meines Mannes stimmt nicht!

 

DOCH WAS TRIEB MICH DANN ZUM JOB DER TRAGEBERATERIN?

Menschenbabys sind Traglinge. Das sieht man schon direkt nach der Geburt. Nimmt man ein Baby hoch, hockt es automatisch die Beine an. Der Rücken rundet sich, der Kopf schmiegt sich an den Erwachsenen an und selbst die winzigen Händchen formen Fäuste, die denen von Affenbabys gleichen, wie sie sich am Fell ihrer Mamas festkrallen. Wenn ich mich an die ersten Tage nach der Geburt meines Sohnes zurück erinnere, muss ich wieder an die Zeiten im so genannten Wickelraum denken. Dort ging es immer recht “laut” zu. Die Babys mochten einfach nicht auf dem Rücken liegen, um gewickelt zu werden. Warum wohl (mal abgesehen von der sterilen Krankenhaus-Atmosphäre und evtl. der Windel an sich)? Weil das flache Liegen auf dem Rücken einfach nicht dem Naturell eines neugeborenen Menschenkindes entspricht.
Und dann geht´s weiter mit dem Kinderwagen. Das Phänomen Kinderwagen=Brüllwagen dürfte so manch einem Elternpaar bekannt sein. Wer kennt es nicht, das Bild von Eltern (oder wahlweise Oma/Opa/Tante/etc.), die ihren Kinderwagen mit dem weinenden Baby inside hektisch oder gar schon abgestumpft routiniert vor und zurück schieben?
Ich kann mich selbst noch an einen Ausflug zum Bärenschlössle mit Sohni erinnern. Er war damals ca. 5 Wochen alt. Meine Mutter war zu Besuch (sie wohnt 500km entfernt) und wir wollten man raus. Also packten wir unsere 2 Hunde mit dem Kinderwagengestell in den Kofferraum, Babysohn in der Autobabyschale auf dem Beifahrersitz, Papa am Steuer, Mama und Oma teilten sich mit der Kinderwagenwanne (die nicht mehr in den Kofferraum passte) die Rückbank. Die Hinfahrt von ca. 30 Minuten war schon kein sonderliches Späßchen, weil Sohni die Autoschale hasste. Ok, alles überstanden. Ausgestiegen, alles ausgepackt, aufgebaut, Baby in den Kinderwagen…nach ca. 20 gefahrenen Minuten (wenn überhaupt) weinte Sohni bitterlich und ich hatte meine Tragehilfe nicht dabei. Somit schleppte ich das kleine Babybündel auf dem Arm durch den Wald. Und auch wenn er damals noch nicht so viel wog, war es trotzdem kein großes Vergnügen und mir schmerzten Arme und Rücken. Was tut Mama nicht alles für das kleine bisschen Baby <3 Das war übrigens das letzte Mal, dass Sohni in diesem Kinderwagen lag.
Was ich damit sagen will: So viele Eltern investieren viel Zeit in die Recherche für den perfekten Kinderwagen und geben letztlich nicht wenig Geld dafür aus. Dann ist das Baby da und plötzlich findet das Baby das Gefährt nicht halb so cool wie Mom und Dad. Nun bleiben 2 Möglichkeiten. Entweder wird das Baby so lange in der Kutsche geschoben, bis es sich schon endlich daran gewöhnt hat – was vermutlich viele Tränen und geopferte Elternnerven mit sich bringt, oder aber Mama und Papa halten doch nochmal nach einem anderen Babytransportmittel Ausschau, was eher dem Naturell eines Babys entspricht. Und bei letzterem kommen TrageberaterInnen ins Spiel. Davon kann es meiner Meinung nach gar nicht genug geben (und glücklicherweise gibt es auch in Stuttgart und Umgebung wunderbare Kolleginnen und sogar einen Onlineshop und 2 Läden – Silberfaden in Stuttgart-West und Didymos in Ludwigsburg)!  Mein Wunsch ist es, Eltern das (neue) Familienleben so angenehm und einfach zu gestalten, wie nur möglich! 

 

BINDUNG IST DAS SCHLÜSSELWORT

Geborgenheit ist für Babys wichtiger als Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf. Mit nichts in die Bindung so stark und gleichzeitig so einfach herzustellen wie durchs Tragen. Dabei ist auch unerheblich, ob das Baby daheim, im Geburtshaus, im Kreissaal oder per Kaiserschnitt zur Welt kam, ob es gestillt wird oder Formulanahrung bekommt…durch das Tragen bekommt ein Baby Nähe und Geborgenheit und nur das zählt in dem Moment. Die meisten Eltern gehen ihrem Instinkt, das Baby auf dem Arm zu nehmen, wenn es weint, auch unweigerlich nach. Nur reicht ein kurzes Hochnehmen für die wenigsten Babys aus und ewig kann auch der stärkste Papa nicht sein Kind einfach so auf dem Arm tragen. Eine Tragehilfe – sei es nun eine MeiTai, eine Komforttrage oder ein Tragetuch – erLEICHTERt den Alltag. Und darum geht es mir. Tragen fördert die Bindung und macht den Familienalltag um einiges leichter. Ob nun beim ersten Kind, oder wenn schon größere Kinder im Haushalt leben… Und wenn man die passende Tragehilfe gefunden hat oder weiß, was man mit einem Tragetuch anstellen kann, ist´s echt easy.

 

FAZIT:

Es existieren leider noch soooo viele Ammenmärchen und frisch gebackene Eltern werden dann auch noch mit Halbwissen oder (oft) gut gemeinten Ratschlägen verunsichert. Um diese aus den Weg zu räumen und den Eltern wieder mehr Sicherheit und Vertrauen auf die eigenen Instinkte zu schenken, hab ich mich 2014 für die Ausbildung zum Eltern-mit-Baby-Coach entschieden. Jedoch lässt es mein eigenes Familienleben mit 2 autonomen Kindern momentan einfach nicht zu, Eltern in einem regelmäßigen Kurs Einblicke in die Baby-Topics rund um das magische Eltern-Kind-Band (also known as “Bonding”, bzw. “Bindung) zu geben. Zum anderen beginnen Babykurse idR erst ab dem 3. oder 4. Lebensmonat. Da ist die Verunsicherung oft schon sehr groß. Ich möchte Eltern aber gerne von Anfang an, also bereits im Wochenbett oder vielleicht sogar schon im Vorfeld zur Seite stehen und ihnen Mut für das Abenteuer Baby machen. Babys sind wundervolle kleine Wesen, die nur eins wollen: mit den ihnen nahe stehenden Bezugspersonen in VerBindung treten.
Deshalb bin ich Trageberaterin geworden <3

 

und warum ich meine Dienste nicht einfach kostenlos anbiete, erzähle ich ein anderes mal…BabysVerbindung

 

#BabysbrauchenBindung #Bindungstärkt #TragenstärktdieBindung

 

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