Wildling Shoes – die Welt mit allen Sinnen begreifen

 

Achtung, hier kommt ne große Schwärmerei. Man könnte es fast Werbung nennen…

 

Trend Barfußschuhe

 

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich erlebe seit letztem Jahr einen Wahnsinnstrend, ja regelrechten Hype auf dem Schuhmarkt für Kinderfüße. So genannte Barfußschuhe verlassen mehr und mehr den Nischenbereich. Barfußschuhe? Noch nie gehört? Ich will ganz ehrlich sein: Bis vor einem Jahr dachte ich bei Barfußschuhen immer an diese 5 Zehensocken und fand die eher lustig, denn cool. Und ja, ich gebe zu, als ich dann im letzten Jahr vermehrt in Mami-Facebook-Gruppen den Trend zu eben diesen Schuhen vernahm, war ich doch eher amüsiert skeptisch und dachte mir “Hm, ok, ganz nett. Aber muss das sein?” Immerhin sind Kinderschuhe im allgemeinen und Barfußschuhe im speziellen nicht gerade günstig, weshalb ich eher zu Gebrauchten griff, aber Barfußschuhe gebraucht zu bekommen ist dann doch eher ein Glückspiel. Außerdem habe ich mich schon seit dem ersten Schuhkauf für Sohni darüber geärgert, dass es gute Schuhe für kleine Kinder offensichtlich nur aus Tierhaut oder Plastik gibt (mal abgesehen von Sommerschuhen teilweise aus Canvas) und mich nun im Laufe der letzten 3 Jahren damit arrangegiert, Lederschuhe nur gebraucht zu kaufen. Damit sind wir (wie ich dachte) immer gut gefahren, bzw. gelaufen 😉 Tja, und dann kam so ein kleines autonomes Mädchen daher, lief ihre ersten Schritte im Hochsommer – natürlich barfuß – und weigerte sich, ihre neuen Schätze called Füße, in festes Schuhwerk zu pressen. Da aber nun der Herbst vor der Tür stand und Tochterkind bereits die erste Glasscheibe aus der Fußsohle entfernt werden musste (was absolut kein Spaß für Tochterkind und uns Operateure war!), habe ich mich doch näher mit der Materie Barfußschuhe auseinander gesetzt.

 

 

Die Welt mit allen Sinnen begreifen

 

Wer kennt ihn nicht, den Slogan “Kinder sollten in den Laufanfängen so lange wie möglich Barfuß laufen!” Doch warum eigentlich? Man geht heute davon aus, dass 98% der Kinder mit gesunden Füßen zur Welt kommen, aber durch häufig unpassendes Schuhwerk die Füße ungünstig beeinflusst werden, sodass nur etwa 20% der Kinder die Gesundheit ihrer Füße bis ins Erwachsenenalter bewahren können. Erschreckend, oder? Unter näherer Betrachtung finde ich aber noch viel verwunderlicher, dass zwar im Babyalter noch die Welt mit allen Sinnen erkundet und begutachtet werden darf wird, spätestens nach einigen Wochen sicheren Laufens wird der Fuß als Sinnesorgan aber offensichtlich völlig ab acta gelegt. Wird mir selbst erst jetzt so richtig bewusst, wie blöd das eigentlich ist. Füße sind in ihrer Eigenschaft als Tastorgan mindestens genauso gut und effizient wie Hände. Wer würde denn aber auf die Idee kommen, Hände dauerhaft und ganzjährig in Handschuhe zu stecken?

 

Hinzu kommt, dass mein Großer ja so seine Handicaps hat, die eng mit der Sensorischen Integration zusammen hängen.

 

 

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Sensorische Integration (SI) ist ein Prozess, der überall und jederzeit in unserem Gehirn stattfindet. Die Aufnahme, Verknüpfung und Verarbeitung sinnlicher Erfahrung (Berührung, Bewegung, Körperwahrnehmung, Riechen, Schmecken, Hören und Sehen) wird als Sensorische Integration bezeichnet.

 

Bei meinem Sohn läuft das mit der Sensorische Integration irgendwie anders, was sich in einer auffälligen Entwicklung äußert. Es hat selbst für uns eine ganze Weile gedauert, bis wir uns damit befasst haben und wir stecken auch immer noch in der Findungsphase “was ist Sache und wohin geht die Reise”, aber wer sich noch ein bisschen mehr mit der Materie SI, SI-Störungen und SI-Therapie beschäftigen will, sei z.B. die Webseiten der Gesellschaft für Sensorische Integration in Deutschland und Österreich (letztere find ich fast noch besser) und das “Buch Bausteine der kindlichen Entwicklung” von Jean Ayres ans Herz gelegt.

 

(Vorerst) nur in Kürze zu uns:
Sohni wirkt oft furchtbar orientierungslos, so, als ob ihm der Boden unter den Füßen fehlt. Er hat Schwierigkeiten, Reizen zu filtern und angemesen darauf zu reagieren (oder eben einfach mal nicht zu reagieren). Sinnbildlich kann er sich in vielen reizüberfluteten Situationen nicht so recht erden. Na, wer ahnt es schon, worauf ich hinaus will? Richtig, ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass ihm ein wahrhaftig fester Stand und die Sinneneindrücke unter den Füßen Halt und Stabilität geben. Und das meine ich keinesfalls nur im körperlichen Sinne. Ich denke, dass eine gute Bodenhaftigkeit auch Ruhe ins Kopfchaos bringt und deshalb bin ich der Meinung, dass das Barfußlaufen sich durchaus positiv auf die emotionale Verfassung und Entwicklung auswirkt. Wenn ich so drüber nachdenke, wird mir auch bewusst, dass seine emotionale Verfassung an schönen Sommertagen tatsächlich besser ist und wenn ich mal genau zurück blicke, sind das auch die Tage, wo er sich sofort die Schuhe von den Füßen zieht und mit Nackefuß durch den Tag geht. So weit, so gut. Barfuß im Sommer ist ja auch ne coole Sache, bei Temperaturen unter 15 Grad und/oder nicht so geeigneten Untergründen ist der Nackefuß aber nicht so pralle.

Und somit wären wir wieder beim Barfußschuh, auch Minimalschuh oder Schuh mit Minimalsohle angelangt.

 

 

Eine Odé an Wildling Shoes

 

Gleich vorne weg: Dies ist eine subjektive Meinung und ich bin wahrlich kein Profi im Bereich der Minimalschuhe! Da wird ja – zuweilen recht bissig – gefachsimpelt und das darf von mir aus gerne weiter so sein. Ich bin da – wie beispielsweise beim Tragen auch – völlig undogmatisch und vertrete nicht die Meinung, dass man im Barfußschuh nur im so genannten Ballengang gehen darf. Das wäre ja so, als müsse ich selbst oder mein Kind das gehen neu erlernen, bevor ich mir die Schuhe ausziehe. Wir haben uns auch (noch) nicht durchs gesamte Barfußschuhangebot durchprobiert, und dennoch sind für mich und meine Kiddos die Wildlinge (derzeit) die Besten! Und warum das so ist, erzähle ich euch hier gern.

 

Wildlinge erfüllen ihren Zweck
Die Sohle der Wildlinge sind ist flexibel und bieten dennoch Schutz. Das Profil ist übrigens dem Fuchs nachgeahmt. Woher die Schuhe also ihr Fuchs-Logo haben, dürfte nun auch klar sein. Außerdem sind sie überaus robust, was ja besonders für kleine Weltentdecker eine wichtige Voraussetzung ist.

 

Wildlinge sind natürlich, vegetarisch und fair
Ich gebe zu, im Zusammenhang mit Schuhen wirkt der Begriff “vegetarisch” ein bisschen strange, aber so ist es nun mal. Wildlinge bestehen in erster Linie aus Naturmaterialien wie Baumwolle, Leinen und Hanf, aber auch Wolle kommt in Einlegesohlen und Wintermodellen zum Einsatz. Oben schrieb ich ja bereits, dass ich ein Problem mit Lederschuhen habe und mich daher auf den Kompromiss Gebrauchtschuhe eingelassen habe. Wildlinge sind Lederfrei, also ein echtes Highlight für mich. Zudem werden sie nicht auf Masse in China oder Bangladesch produziert, sondern in Deutschland, bzw. Europa. Ebenfalls ein super Pluspunkt.

 

Wildlinge sind unisex
Bei Wildlingen gibt es weder Piratenschuhe für Jungs noch Lillifee für Mädels. Das find ich persönlich super! Gibt es doch ohnehin schon so viel Genderspielzeug und Klamotten. Muss doch nicht sein, oder?!

 

Wildlinge sind individualisierbar
Ich finde sie ja gerade durch das schlichte Design total schick und mega cool. Doch wer tatsächlich nicht auf Farbe oder Glitzer verzichten mag, kann gerne selbst Hand anlegen. In einer Facebook-Gruppe für Wildling-Fans wird beispielsweise auf Teufel komm raus gefärbt, mit Glitzer und/oder Applikationen verziert oder sonstwie individuell verändert. Thumbs up.

 

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Alles in allem sind es für mich und meine Kiddos die perfekten Alltagsbegleiter und ich mag meine Füße gar nicht mehr in anderes Schuhwerk stecken. Doch bei aller Schwärmerei sollen auch noch ein paar Nachteile aufgezählt werden: Durch die atmungsaktiven Materialien sind sie leider nicht wasserdicht. Mit Imprägnierspray oder Wachs und Kleber für die Sohle lassen sie sich schon für nasse Wege pimpen, aber bei so richtigem Regen-Matschwetter bleiben die Füße nicht trocken. Es gibt zwar spezielle Socken, die den Fuß trocken halten (hab sie selbst noch nicht probiert), aber der Schuh an sich wird dann natürlich trotzdem nass und braucht dann auch wieder eine Weile, bis er trocken ist. Bei fiesem Schneckenwetter tragen wir deshalb Gummistiefel. Ein weiterer Wermutstropfen ist, dass es die tollen Treter bisher nur in den Schuhgrößen 23-42 gibt. Echte Laufanfänger müssen daher noch ein bisschen Geduld haben, denn die Wildling Cubs in Größe 18-22 sollen noch in diesem Jahr erscheinen. Männer, die auf großem Fuß leben, müssen noch etwas länger warten. Größen jenseits der 42 sollen wohl erst für´s nächste Jahr geplant sein. Aber daran erkennt man ja auch, dass die Schuhe nicht auf Masse produziert sondern mit Liebe von Hand gemacht werden.

 

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich keinesfalls der Meinung bin, dass feste Schuhe bei meinem Sohn die Entwicklungsstörung gefördert oder gar ausgelöst haben. Dennoch bin ich überzeugt, dass besonders Kinder mit Schwierigkeiten im sensomotorischen Bereich, Gleichgewichtsstörungen und ähnlichen Handicaps von Barfußschuhen profitieren können. Schaden wird´s jedenfalls nicht. Probiert es doch einfach mal aus!
Und psssst, die tollen Füchse sind immer recht fix vergriffen. Keine Massenproduktion halt. Also schnell zugreifen 😉

 

 

2 Comments
  • Jannika
    Antworten

    Nur so am Rande, es gibt auch viel Frauen, die leider keine Wildinge tragen können. Meine Schwester und meine Mutter fallen zum Beispiel in diese Kategorie.
    Mir passen die 42 zum Glück grade noch so.
    Wollte das nur gesagt haben, da du ja auch auf gender”spezialisierte” Kleidung eingegangen bist…

    7. Juni 2017 at 8:41
  • Liebe Jannika,
    da hast du total Recht! Ab nächstem Frühling kommen endlich auch die größeren Größen dazu – da freut sich auch mein Mann 😉

    LG!! Anna

    20. Dezember 2017 at 14:38

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